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 Auf dem Holzweg - eine Meisterprüfung

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Nerina
Meister
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BeitragThema: Auf dem Holzweg - eine Meisterprüfung   Di 11 Jan 2011, 02:19

"Die Vielfalt der Hölzer Dunladans und ihre Verwendung" war ein dickes Buch mit vielen dünnen Seiten in kleiner Schrift. Nerina kannte solche Bücher zu Genüge von früher, stapelweise hatten ihre Lehrer sie alle möglichen Schriften aus allen möglichen Sprachen und Kulturen auswendig lernen lassen, sie hatte sie mit eigenen Worten zusammengefaßt und sie hatte gelernt, die richtigen Fragen an die Texte zu stellen - und sie sich selbst zu beantworten. Nur war das alles über fünf Jahre her und sie mußte feststellen, daß sie innerhalb kürzester Zeit grob aus der Übung gekommen war. Außerdem hatte es damals keinen malla ilharn in ihrem Leben gegeben, der sie vom Lernen hätte ablenken können. Jetzt las sie nun schon zum dritten Mal das Kapitel über Santalum album, das sie eigentlich schon vor Monaten abgeschlossen hatte. Auf die Art und Weise gab es natürlich wenig Fortschritte...
Das Buch lag in ihrem Schoß, ihre Wangen glühten und sie lächelte, als sie es bemerkte. Fortschritte hatte es schließlich dennoch gegeben, sie ließen sich bei all der praktischen Arbeit im Forst gar nicht vermeiden und ihr Lehrmeister in Goldra hatte schon mehrmals angedeutet, daß sie sich langsam um ihre Meisterprüfung kümmern müßte. Er war sehr gerne bereit, ihr diese Prüfung abzunehmen und es wäre mit den Wellen geschwommen, sein Angebot anzunehmen. Sie kannte ihn gut und würde wenig Überraschungen erleben. Andererseits.... das war einer Éàrné nicht würdig. So leicht durfte sie es sich selbst nicht machen.
Entschlossen klappte sie das Buch zu und griff zu Pergament und Feder. Wann immer sie nach Meistern der Holzverarbeitung gefragt hatte, war ein Name gefallen: Saladin aus Elibrio. Die Zeit war gekommen, einen Brief zu verfassen....

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Nerina
Meister
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Anzahl der Beiträge : 278
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BeitragThema: Re: Auf dem Holzweg - eine Meisterprüfung   Do 17 März 2011, 05:09

Lange hatte sie überlegt, was einem Meister vom Grade Saladins würdig sein könnte. Schließlich, nach einigen zögerlichen Skizzen und Versuchen hatte sie mit glühenden Wangen und glänzenden Augen ein Behältnis aus fünferlei Holz entworfen, auf der Grundlage des kostbaren, so schwer zu gewinnenden Eibenholzes. Sie fing mit ihren Skizzen ihre Eindrücke aus den zwei Sommern ein, die sie bereits in Dunladan verbracht hatte und mußte im Stillen ihrer Mutter einmal mehr Recht und den schuldigen Dank geben, die auf einer gründlichen Ausbildung in den gesellschaftlichen Künsten bestanden hatte. Dazu hatte auch gehört, sie mehrere hundert Jahre lang bei einem ganz großen Künstler in die Lehre zu schicken, so daß sie nun als Erwachsene "halbwegs brauchbar beobachten und leidlich geschickt darstellen" konnte.
Lächelnd saß sie im Kerzenlicht in der Stille ihrer kleinen Kammer in der Felsenfeste und zeichnete Entwurf über Entwurf, Detailskizze über Detailsskizze und verschiedene Ansichten aus verschiedenen Winkeln. Und langsam nahm das Kistchen unter ihren Händen Gestalt an, verfestigte sie aus dem feinen, hochfluiden Wassern der Ideen immer mehr und mehr in die Gegenständlichkeit des Baubaren, bis sie schließlich einen genauen Plan und Entwurf vor sich liegen hatte.

Mit feinsten Fischgräten hatte sie dann den Plan auf die hauchdünnen Hölzer übertragen. Lange Stunden hatte sie dann an der Ausführung gesessenen, wie immer weit, weit hinfort getragen auf das Meer der Harmonie von der Schönheit und Kostbarkeit des Materials, der Stille und den weiten Räumen des Geistes, die ihr das vorsichtige Schleifen und Polieren der vielen hundert einzelnen Holzteilchen und Edelsteinplättchen eröffnete - ein Handwerk, was einer Éàrané ernsthaft würdig war und was sie aus ganzem Herzen liebte.


Es handelt sich um eine kleine, aus Eibenholz gefertigte Kiste von den Maßen 20x20x5 Zentimeter. Mit verschiedensten Holzarten waren Intarsien eingelegt, die einen wild wuchernden Wald und sommerliche Wiesen darstellen. Das Grün der Bäume und Pflanzen entstand durch eine Inkrustination aus Jade, ein überquellender, praller Rosenbusch in voller Blüte durch eine Inkrustination aus einem scheibchenweise zerteilten Rubin. Der Entwurf - künstlerisch fein angelegt und zeitintensiv genau bis in die kleinsten Details ausgeführt - bestach durch seine verspielte Kunstfertigkeit und ihre Liebe zu dem Reichtum des Dunladanischen Sommers, zu all den ihr unbekannten heimischen Pflanzen und Tieren... ein aufmerksamer Beobachter mochte bei ganz genauem Hinsehen über eine Ecke sogar auch einen Zwerg mit langem Bart erkennen, der fast mit dem üppigen Leben um sich herum verschmolz und der eine Holunderblüte zu sich herunterzog um genüßlich an ihr zu riechen...

Das Schweigen der langen, einsamen Tage innerhalb der Mauern der Felsenfeste erschien ihr längst nicht mehr so schlimm zu sein, seit sie sich über die Hölzer und edlen Steine beugte. Sie hatte niemanden das Kistchen sehen lassen, selbst Gorgo nicht, hatte es in der Werkstatt mit einem Tuch abgedeckt wie mit einer schützenden Eierschale, damit kein leichter Windhauch die feinen Plättchen und Muster der Intarsien über Nacht vom Tisch wehen konnte, keine unwillkürliche Beobachtung die ungeformten Ideen stören konnte, die darüber lagen. Und als es endlich fertig war, war es ihrer Handwerkskunst würdig, nicht genau das, was sie vor ihrem inneren Auge gesehen hatte, aber doch fast und sie war zufrieden.

Sie bestückte das Kästchen im Inneren mit einer dunklen Samtschicht, die sie aus einem Stoffrest von Gorgos Werkstatt schnitt und füllte es mit einem hochpolierten Federhalter aus stark gemasertem Eibenholz, einen Mithril-Federmesser von feinster Qualität und einen Tintenfaß mit Deckel, gefüllt mit einer stark dunkelbraunen Tinte aus ihrem eigenen Labor. Ein edles Pergament, beschrieben mit ihrer persönlichen türkisgrünen Tinte, in ihrer eleganten und ein wenig übermütigen Schrift lag dabei.


"Sehr geehrter Meister Saladin!
Anbei eine Probe meiner Handwerkskunst. Ich möchte mich damit bei Euch zur Meisterprüfung im Forst bewerben, solltet Ihr mich dessen für würdig erachten. Bitte teilt mir die Prüfungsmodalitäten und den von Euch gewünschten Zeitraum mit, ich stehe zu Eurer Verfügung.

Mit erwartungsvollen Grüßen

Nerina
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Saladin

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BeitragThema: Re: Auf dem Holzweg - eine Meisterprüfung   Fr 18 März 2011, 10:29

Eine Nachricht wird euch von einem Boten überbracht, der im Gasthaus zu Elibrio auf euch gewartet hat. Es ist ein Pergament, zusammengerollt und versiegelt. Als ihr es entrollt, könnt ihr folgendes in etwas unsicherer Schrift mit brauner Tinte geschrieben lesen:

Liebe Nerina,

habt herzlichen Dank für euer wunderschönes Geschenk. Den Federhalter verwende ich gerade für diesen Brief. Leider habe ich ihn noch nicht eingeschrieben, darum entschuldigt bitte die kleinen Unsauberheiten meiner Schrift. Die Schatulle ist ein kleines Meisterwerk. Die Hölzer sind sehr sauber und fachgerecht verarbeitet und die Intarsien und Inkrustinationen sind ausgesprochen gut ausgeführt. Ich habe wirklich selten eine so feine Arbeit gesehen. Ihr habt eine sehr geschickte Hand bewiesen und ich halte euch durchaus für fähig die Meisterprüfung in der Holzverarbeitung abzulegen. Ich schlage euch folgendes vor: Wir treffen uns nächste Woche Dienstag in meiner Werkstatt in Elibrio. Am besten kommt ihr nach dem Mittagessen, dann haben wir genug Zeit für einen ausgedehnten Ausflug in die Wälder um Elibrio. Das Werkzeug stelle ich. Wir werden zunächst in den Wald gehen und uns ein paar Hölzer besorgen. Dabei werden wir uns ein wenig über die verschiedenen Gehölze unterhalten. Da ihr mir schon gezeigt habt, wie gut ihr mit den feinen Holzbearbeitungsinstrumenten umgehen könnt, habe ich vor euch eine Aufgabe in dieser Richtung zu stellen. Dienstag werden wir ersteinmal das Material besorgen und ich erkläre euch dann alles weitere. Wir lassen uns Zeit mit eurem Meisterstück. Ich freue mich schon sehr darauf!

Herzliche Grüße

Saladin
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Nerina
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BeitragThema: Re: Auf dem Holzweg - eine Meisterprüfung   Mi 06 Apr 2011, 22:16

Sie war ein wenig vor der vereinbarten Zeit gekommen. Eingehüllt in die lederne Schutzkleidung der Forstleute, mit festen Stiefeln und den extra für sie genähnten Handschuhen, die die empfindlichen kleinen Schwimmhäute zwischen den Fingern schützten, erwartete sie Meister Saladin zum vereinbarten Zeitpunkt vor den Toren Elibrios.

Hinter der ersten Wegbiegung war sie stehen geblieben, hatte sich etwas Wasser aus Frostfeuer von ihrem Krug in ihre Hand gegossen und es gebeten, die Form eines Eàrané-Àniikés anzunehmen, was es willig und prägsam, wie es nur die Wasser aus dem Kristallbrunnen waren, gerne tat. Eifrig formten die Wasser den schillernden, beweglichen feinen Kronenreif und griffen, ehe sie den Kreis vollständig schlossen, mit vielen kleinen schimmernden Füßchen nach dem großen Blutlinien-Diamanten. Als sie sicher war, daß ihr Bewußtsein fest und sicher mit dem Wasser verbunden war und es den Diamanten ohne Probleme halten konnte, setzte sie sich den fertigen Reif auf die Stirn. Holz - der kostbarste Werkstoff, den die Anwàmané kannten, verdiente diese höchste Bezeichnung des Respektes. Wertvoller als Perlmutt und Bernstein, wertvoller als das feinste Fischleder und die filigranste Koralle. Das Material, dessen Bearbeitung ausschließlich der ersten Meereshöhle vorbehalten war... Das komplexe Wissen um den Reichtum und die Verarbeitung der dunladanischen Hölzer, die Geschichten davon, daß in diesem unsagbar reichen Land sogar Ställe und Hütten, Schüsseln und Löffel, Eimer und Waffen aus Holz gemacht waren - Lùthien Palantír, Eàrané Anwàmané der Wasser Nienna Sérégòns würde diese Meisterprüfung in einem Schwierigkeitsgrad ablegen wie vorher noch kein Mitglied ihres Volkes und sich dem Material als würdig erweisen - hoffentlich.

Sie lächelte und biß sich leicht auf die Unterlippe. Blaß war sie um die Nase und aufgeregter, als ihre stolze und anmutige Gestalt auf den ersten Blick vermuten ließ. Es blieb ihr nichts anderes als zu hoffen, daß Meister Saladin nichts davon bemerken würde. Und daß das kostbare Wissen, was sie sich in all den langen schlaflosen Nächten mit Büchern vor dem Kamin, auf ihren langen Wanderungen und Gesprächen mit Adamant und in vielfältigen Auseinandersetzungen mit der Materie im Forst und im Sägewerk angeeignet hatte, seinen Ansprüchen genügen würde...
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Saladin

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BeitragThema: Re: Auf dem Holzweg - eine Meisterprüfung   Mi 13 Apr 2011, 01:38

Er trat aus der Tür seiner Werkstatt, in der Hand einen Bogen, den er gerade fertiggestellt hatte. Ein Pfeil schnellte von der Sehne und traf die Scheibe, die etwa 40 Meter entfernt an einem Baum stand, nahe der rotmarkierten Mitte. Er war gut eingestellt. Saladin schaute zufrieden auf sein Werk. Die Sonne stand hoch und die Luft war warm, ein Frühlingstag, der die Nähe zum Sommer bereits spüren ließ. Sonne im Höchststand=Mittag im Monat Korons, zweite Woche an einem Varmarn, ein Gedanke kam ihm in den Sinn: eine Verabredung mit Nerina war getroffen worden.

Schnell ging er in die Werkstatt zuurück, stellte den Bogen in eine Vitrine, nahm eine Axt zur Hand und rief nach Ronja, seiner Wölfin, die sich kurz darauf an seiner Seite einfand. Er ging hastigen Schrittes Richtung Stadttor. Kaum dort angekommen, sah er Nerina, nicht weit vor der Stadt. Er ging auf sie zu und wurde einer Aufregung gewahr, die er in ihrem Gesicht lesen konnte. Richtig, sie hatten sich zu einer Prüfung verabredet. Er wollte mit ihr in die Wälder ziehen, verschiedene Hölzer einschlagen. Sie sollte daraus ihr Meisterstück herstellen. Er kam bei ihr an. Wirklich, sie schien etwas unsicher zu sein. Das sollte nicht sein. Sie kannten sich sich schon lange und er empfand Freundschaft für sie. Klar, sie wollte einen Meisterbrief in der Kunst der Holzverarbeitung haben, aber müßten sie dafür ihre freundschaftliche Beziehung aufgeben? Nein, er würde ihr nichts schenken, aber trotzdem wollte er ihr ihre Aufregung nehmen.

Ronja tat, was sie immer tat, sie wedelte freudig um jeden herum, den sie kannte, so auch um Nerina. Hallo Nerina, hast du schon lange gewartet?, sagte Saladin. Ronja sprang übermütig an der Elfin hoch und tänzelte um sie herum. Ich freue mich, dich zu sehen. liebe Freundin. Er lächelte sie an. Lass uns in den Wald gehen. Wir wollen zuerst ein paar Hölzer schlagen. Wir werden sie brauchen, damit du dein Meisterstück anfertigen kannst. Ich möchte von allen Hölzern etwas. Du wirst uns führen. Wir brauchen nicht viel Holz, dafür aber sehr schöne Stücke. Ich möchte die Hölzer später mit dir zu dünnen Schichten verarbeiten. Dafür benötigen wir ein Stück jedes Holzes, das eine schöne Maserung aufweist und keine Äste hat. Am schönsten wäre Wurzelholz. Lass uns aufbrechen, denn wir werden den Tag brauchen, um besonders schöne Stücke zu finden.
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