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 Besuch von einem Drachen

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Zordakur

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BeitragThema: Besuch von einem Drachen   Di 19 Aug 2014, 13:32

Der Altdrache war sich nicht sicher, warum Kordan ausgerechnet ihn geschickt hatte wie einen niederen Boten. Ein Packetträger mit einer Nachricht, war er denn der Postbote? Natürlich hatte er sich vor seinem Meister verneigt und den Auftrag angenommen, aber seine Laune war nicht grade die Beste - zumal Kordan ihm streng untersagt hatte, auf dem Weg irgendetwas zu fressen oder anzuzünden. Im Gegenteil, sein Befehl lautete ganz klar, daß er unauffällig und geheim unterwegs sein sollte, ein Werkzeug von Hinterlist und Verrat diesmal. Das war erstmal weniger lustig als Brandschatzen und Morden, aber es versprach doch später einen großen Spaß. Warten konnte der alte Drache. Und abfinden mußte er sich damit sowieso.

Er nahm also Kordans Päckchen und hängte es sich um den Hals, damit es ihn beim Fliegen nicht behinderte. Knurrend schwang er sich von den Zinnen des Schlosses. Seine schwarzen, riesigen Lederflügel trugen ihn schnell in große Höhe. Dort oben wäre er schnell und unsichtbar auf dem Weg zu seinem Ziel - und die Versuchung etwas zu fressen oder anzuzünden war kleiner. Sein Ziel lag weit weg von der Schlucht, die zu Kordans Reich führte. Mit kräftigen Flügelschlägen machte er sich auf den Weg.

Er flog still und leise drei Nächte und zwei Tage, bis er an dem verfallenen Tempel der Dunklen Fünf ankam. Nur einmal mußte er zwischendurch der Versuchung nachgeben, sein Feuer in einer prächtigen Garbe spielen zu lassen, aber er tat es hoch über dem Gebirge und kümmerte sich nicht weiter drum, ob jemand es zufällig gesehen hatte. Selbst Kordan konnte doch nicht wollen, daß er an seinem eigenen Feuer erstickte! Erschöpft lagerte er sich in der Morgendämmerung des dritten Tages auf dem höchsten Turm der Ruinen. In der Nacht würde er jagen können, aber bis dahin mußte er sich mit etwas Schlaf begnügen. Ergeben legte er den Kopf auf die Vorderpfoten und schloß sein rechtes Auge.

Er hörte die kleine Reisegruppe im Unterholz, noch ehe er sie sehen konnte. Sie rochen köstlich, aber er nahm sich zusammen. Solange er nicht wußte, wer Zordakur war, würde er nicht essen. Sicher war sicher.
"Hsssss!" Sein durchdringendes Zischen klang von der Zinne. "Bisssst Du Zssssordakur oder bisssst Du mein Abendesssssen? Und wen bringsssst Du mir da mit? Zsssseig Dein Geschenk!" Noch ehe die kleine Gruppe aus dem Wald treten konnte, hatte der alte Drache sie bereits angesprochen. Mit zwei Flügelschlägen kam er von den Zinnen.

Die sechs Männer betraten die Lichtung mit zögerlichen Schritten. Ängstlich blickten sie zwischen dem Drachen und ihrem Anführer hin und her. Gemessenen Schrittes trat der vor den Drachen. Einen kurzen, sehr, sehr stillen Moment musterten sich beide. Langsam, ganz langsam verbeugte sich Zordakur, ohne den Blick von dem großen, schwarzen Untier zu wenden. Ob Respekt oder Respektlosigkeit in der Geste lagen, war nicht genau auszumachen. "Meine untertänigsten Grüße an den großen Meister Kordan und an Euch, der Ihr sein Bote seid!" Mit tiefer, sehr rauher Stimme entbot er seinen Gruß. "Er hat mich herbestellt und hier bin ich mit meinen sechs kräftigsten Männern, wie es befohlen wurde."

Der Drache fauchte: "Hssssss! Du bisssst alsssso Zsssordakur. Der Meissster lässsst Dir ssssagen, dassss er die kleine Meervolk gefunden hat, die Dein Haussss zssserssstört hat. Die, die Du vor drei Jahren hasssst entwischen lasssen!" Der Drache leckte sich bei der Erinnerung an den jungen Hauptmann unwilkürlich über die Lippen. Der hatte sich vor drei Jahren von Nerinas Charme und gut geschulten höfischen Künsten einwickeln lassen und ihr damit ungewollt zur Flucht verholfen. Als Zordakur und Kordan endlich mit ihm fertig waren, war sein Fleisch zart gewesen, seiner Mannlichkeit beraubt, von Angst und Schmerzen unter der Folter gut gebeizt. Ein Leckerbissen, wie selbst ein Altdrache ihn nicht häufig bekam. "Sssie isssst inzssswisssschen dick vom Sssssohn desss Meissstersss, dem Geflügelten." Der Drache legte eine kleine Pause ein uns ließ seine Worte etwas wirken. Erfreut bemerkte er, wie Zordakurs Gesicht sich vor Haß verzog. "Du sollssst noch eine Möglichkeit bekommen, Dein Verssssagen von damalssss wieder wieder gut zsssu machen! Wenn nicht...." Die lange lila Zunge des Drachen züngelte schnell über Zordakurs Brust und Gesicht. "Ssssie issst in einer Höhle, ganzsss in der Nähe der Sssstadt Goldra! Dasss dumme issst nur, essss kann niemand hinein. Ssssie wird bewacht von ssssso einem lächerlichen Baum! Hssss!" Der Drache zischte empört. Bäume waren etwas, was man im Vorbeifliegen anzündete. Ehrenfackeln auf dem Weg durch die Nacht. Und nun sollte ausgerechnet eines dieser niederen Lebewesen dafür verantwortlich sein, daß weder er selbst noch Kordan in Person Zugriff auf die werdende Mutter haben konnte! Es war zum Goblinmelken!

Unruhig schlug der lange Schwanz des Drachen hin und her. Die kleine Gruppe der Männer, die dem Gespräch mit schreckensstarren Gesichtern zugehört hatten, macht stolpernd einen Schritt nach hinten, um ihm auszuweichen. Einzige Zordkur blieb stehen. Er wollte nicht, daß der Drache seine Angst bermerkte.

Der Drache hingegen war sich dessen dennoch nur zu sehr bewußt. Er konnte den stinkenden, sauren Schweiß riechen, den die kleine Laus vor ihm ausstieß. "Ihr da!" sagte er schnell, ehe die Männer zu nahe an den Waldrand kommen konnten. "Sssstehen bleiben! Und Du, Du sssstinkst nach Angssst!" Sagte er dann, sich genüßlich wieder Zordakur zuwendend. "Aber ich werde Dich nicht fresssen. Zsssumindessst noch nicht!" setzte er nach. "Der Meisssster will, dassss Du ihm die kleine Hure vom Geflügelten und ihren Balg bringssst. Wasss ssssie betrifft, kannssst Du mit ihr machen, wasss Du willssst, esss reicht, wenn sssie lebt und einigermasssen bei Verssstand isssst. Ssssie sssoll den Balg nähren, ssssolange esss notwendig isssst. Mehr nicht. Der Balg ssselbst ssssoll unverletzssst bleiben. Den will der Meissster für ssssich haben. Und passss auf den Geflügelten auf, der wird in ihrer Nähe ssssein, der isssst gefährlich. Aber er mussss auch leben, ssssagt der Meissster. Esss ssssoll eine friedliche Famile auf dessss Meissstersss Burg leben!" Der Drache legte seine Ohren an, eine Geste, die ein Drachenkenner leicht als das Gegenstück zu einem menschlichen Lächeln hätte Interpretieren können. Mit einer Bewegung seiner Kralle schleuderte er das kleines Päckchen vor Zordakurs Füße, der leider kein Drachenkenner war und jetzt doch nicht anders konnte, als vor Schrecken einen Sprung nach hinten zu machen.

Amüsiert züngelte der Drache, ehe er weitersprach. "Hier hasssst Du wasss, dasss sssollte Dir helfen. Esss ssssind drei kleine Flässschen drin. Du kannssst sssie trinken und wirsssst für einen Mond Deine erbärmliche Gesssstalt lossss ssssein! Ssso erkennt Dich niemand. Dassss sssschwarze Flässschen isssst Sssschlafgift. Ein Tropfen reicht völlig ausss, damit ein Menssschlein in den Sssschlaf fällt und lange, lange nicht mehr aufwacht. Zssswei oder drei Tropfen, und esss wacht gar nicht mehr auf... Und dasss rote Flässschen, dasss hat der Meisssster persssönlich gemacht. Wenn Du dassss trinkssst, dann wirssst Du aussssehen und sssprechen, wie diesssser Isssamassshii. Allerdingssss nur für kurzssse Zssseit. Wenn Du sssie hassst, dann legssst Du der Hure und ihrem Bassstard diesssse Ketten um den Halssss. Kordan wird ssssie dann sssschnell holen kommen. Um den Geflügelten musssst Du Dich nicht kümmern, er kommt dann wohl ausss freiem Willen ganzsss sssschnell hinterher, ssssagt der Meissster. Ach, und diesssser elende Baum hat einen Tempel in der Sssstadt Goldra. Vermutlich bekommt er einen Teil sssseiner Macht von dort. Vielleicht kanssst Du in die Höhle eindringen, wenn Du den Tempel zsssuerssst zsssserssstörsst. Dasss würde der Meissster gerne ssssehen. Hasssst Du dasss allessss auch verssstanden?"

Zordakur nickte. Vorsichtig und ohne den Drachen aus den Augen zu lassen, bückte er sich nach dem Päckchen. Es war viel schwerer als erwartet. Er vermutete, daß es zusätzlich zu den Tränken bis zum Rand mit Kordans Gold gefüllt war. "Noch etwas?" fragte er und versuchte, seiner Stimme einen festen Klang zu verleihen. Der Drache sollte nicht merken, wie sehr er erschüttert war. Die Meervolk, die über zwei Jahrzehnte nicht in der Lage gewesen war, ihm den fast unsterblichen Sohn zu schenken, den er sich erhofft hatte, war also schwanger vom Geflügelten, dem Sohn Kordans. Was für ein Monster würde sie gebären! Es geschah ihr recht. Wütend glühte der Wunsch nach Rache in ihm. Ihr verdankte er, daß seine stolze Burg in Schutt und Asche gefallen war, seine treuen Männer tot, er selbst furchtbar entstellt und seine gesamten Forschungsaufzeichnungen vernichtet. Dabei hatte er sie gut behandelt, nur selten geschlagen und fast nie hungern lassen. Sie hatte nun wirklich ein leichtes Leben bei ihm gehabt! Außer daß sie ihm und seinen höhergestellten Besuchern ein wenig amüsante Unterhaltung am Tage und ein bißchen anregende Gesellschaft bei Nacht bieten mußte, hatte sie nichts zu tun gehabt. Und daß sie ihr lebensverlängerndes und kräftespendendes Blut für ihren Ehemann und seine Freunde gab, das war doch wohl selbstverständlich gewesen! Aber jetzt, jetzt würde seine Stunde der Rache bald kommen. Wenn er sie ablieferte, dann würde sie in der Lage sein, ihren Bastard noch für sechs Monate zu stillen, gerade noch halbwegs bei Verstand, damit sie ihn in der ersten Zeit pflegen könnte. Aber mehr auch nicht, dafür würde er schon sorgen. Dann könnte der Geflügelte ja sehen, ob er noch großen Spaß an ihr hätte! Niemand, niemand würde Zordakur nehmen, was sein war. Selbst der Sohn Kordans nicht!

Mit einer scharrenden Bewegung seiner linken Kralle riß der Drache ihn aus seinen Gedanken. "Du kannssst gehen!" sagte er mit seiner widernatürlichen Stimme, die allen Lebewesen durch Mark und Bein ging. "Und ihr" wandte er sich der Gruppe der sechs Männer zu, "ihr lauft um Euer Leben. Ich möchte gerne ein wenig jagen. Und ich mag essss, wenn mein Abendessssen warm und gut durchblutet isssst! Hsssss!"
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